statistik jakobsweg

Rast auf dem Jakobsweg – immer mehr Menschen sind unterwegs.

Alle Wege scheinen nach Santiago de Compostela zu führen, denn die Zahl der Jakobspilger steigt und steigt. Wie aus den Statistiken des Pilgerbüros der Stadt im Nordwesten Spaniens zu ersehen ist, wird 2015 voraussichtlich das Jahr mit den meisten Pilgern. Das vergangene Jahr war das Jahr der zweitmeisten Pilger auf dem Jakobsweg.
237.886 Ankömmlinge in Santiago bekamen im vergangenen Jahr im offiziellen Pilgerbüro nahe der Kathedrale die begehrte Pilgerurkunde ausgehändigt. Mehr Pilger erreichten nur 2010 ihr Ziel. Das ist nicht verwunderlich, dann jenes Jahr war ein sogenanntes „Heiliges Jahr“. Der Jakobustag am 25. Juli fiel auf einen Sonntag. Damals wurden vom Pilgerbüro 272.412 Ankömmlinge registriert.

Pilgerurkunde begehrt

Um die Pilgerurkunde zu bekommen, muss man die letzten 100 Kilometer bis Santiago zu Fuß, zu Pferd – oder alternativ die letzten 200 Kilometer mit dem Fahrrad hinter sich bringen. Diese Leistung muss nachgewiesen werden, und zwar mit den Stempeln im Pilgerausweis aus den unterwegs aufgesuchten Herbergen, Kirchen, Kapellen und Klöstern. Für Rollstuhlfahrer gilt grundsätzlich das gleiche, also die 100-Kilometer-Regel – doch sind – abhängig von den persönlichen Umständen – Ausnahmen möglich.
Im vergangenen Jahr bekamen 98 Pilger im Rollstuhl, 1.520 Reiter, 25.325 Radler und 210.943 Fuß-Pilger die „Compostela“-Urkunde. 54 Prozent der Pilger waren Männer, 46 Prozent Frauen. Schaut man auf die Nationalität, so stellten die Spanier – wie schon in den vergangenen Jahren – mit rund 48 Prozent den Hauptteil der Pilger. Das hat folgenden Hintergrund: „Compostela“-Urkunden sind in Spanien ein gern gesehener Bestandteil von Bewerbungsunterlagen: Sie stehen für Teamgeist, Beharrlichkeit und Belastbarkeit.

Mehr Italiener als Deutsche auf dem Jakobsweg

Unter den Ausländern lagen die Italiener (20.233) vor den Deutschen (16.333) auf Platz zwei.. Auf den nachfolgenden Plätzen auswärtiger Pilgernationen stehen Portugal (11.647), die USA (11.576), Frankreich (9.343), Irland (5.019), Großbritannien (4.394) und Südkorea (3.838). Daneben kommen auch Pilger-Exoten nach Santiago de Compostala, etwa Pilger aus Kenia, Nigeria, Malaysia, von den Philippinen oder den Fidschi-Inseln.
Unterteilt man die Pilger in Berufsgruppen, so stehen die Angestellten (23 Prozent) vor Studenten (19 Prozent), Rentnern (12 Prozent) und Freiberuflern (12 Prozent). 2.189 Ankömmlinge waren Künstler, 1.382 Priester und 1.104 Ordensfrauen; 155 bezeichneten sich als Berufssportler.
Aus den Zahlen lassen sich auch unterschiedliche Motive der Jakobspilger erkennen, die sich von Gläubigkeit über Sportgedanken bis hin zur persönlichen Auszeit und Selbstfindung erstrecken.

Pilger-Statistik

In die Pilger-Statistik geht nicht nur die Zahl der Pilger auf dem klassischen Hauptjakobsweg über Sarria ein, sondern auch jene Wanderer, die aus Portugal und aus dem südöstlichen Galicien auf Santiago zulaufen.
Den Jakobsweg rückwärts, also nach Hause, pilgert heute kaum jemand mehr. Die Route wäre auch schwieriger zu finden, da die charakteristischen gelben Pfeile nur nach Santiago de Compostela hinführen.
Nach der Ankunft in der Santiago, einem Besuch in der Kathedrale, in der die Gläubigen den Schrein des heiligen Apostels Jakobus verehren, reisen die Pilger gewöhnlich per Flugzeug, Bus oder Bahn nach Hause.

Größerer Pilger-Boom nur im Mittelalter

Anders sah es freilich im Mittelalter aus, als die Jakobusbewegung ihren ersten Höhepunkt erreichte und Santiago de Compostela mit Rom und Jerusalem zu den wichtigsten christlichen Wallfahrtszielen gehörte. Bis zu einer halben Million Pilger waren in manchen Jahren des Mittelalters auf dem Jakobsweg unterwegs. Sie allerdings pilgerten auch zurück.
Sieht man auf diese Zahlen und den gegenwärtigen Boom, möchte man nicht glauben, dass die Zahl der ausgegebenen Pilgerurkunden vor drei Jahrzehnten nur dreistellig waren: 1984 erhielten 423 Pilger eine Pilgerurkunde ausgehändigt – unglaublich.